Horde - Motivation

April 3rd, 2006

Das Modellieren ist eine für das Fach Informatik typische Arbeitsmethode, die in allen Gebieten des Faches angewandt wird. Aufgaben, Probleme oder Strukturen werden untersucht und als Ganzes oder in Teilaspekten beschrieben, bevor sie durch den Entwurf von Software, Algorithmen, Daten und/oder Hardware gelöst bzw. implementiert werden. An der Modellierung eines Problems zeigt sich, ob und wie es verstanden wurde. Damit ist die Modellierung Voraussetzung und Maßstab für die Lösung und liefert meist auch den Schlüssel für einen systematischen Entwurf.

Modell und Imagination

Als Ausdrucksmittel für die Modellierung steht ein breites Spektrum von Kalkülen und Notationen zur Verfügung. Sie sind spezifisch für unterschiedliche Arten von Problemen und Aufgaben. Deshalb werden in den verschiedenen Gebieten der Informatik unterschiedliche Modellierungsmethoden eingesetzt. In den entwurfsorientierten Gebieten (Software-Technik, Hardware-Entwurf) ist die Bedeutung der Modellierung und die Vielfalt der Methoden natürlich besonders stark ausgeprägt.

Seit dem Jahr 2000 entspricht die Anzahl der Computer der Größe der Weltbevölkerung. Jede Information ist erreichbar oder austauschbar, die meisten Menschen unseres Erdteils haben Zugriff auf einen Überfluss an Information. Die Informationen haben begonnen zu explodieren, ihre Masse steigt ins Unendliche.

Der Moment vor dem Überlauf

In meinem Projekt soll der gewaltige Output der Maschinen künstlerisch erfahrbar gemacht werden. Ich will den Moment kurz vor dem Kollaps beschreiben. Es geht um den Augenblick kurz vor dem Information Overflow.
Dabei werden auf der Grundlage von drei Texten zu Information, Desinformation und Informationsbeschaffung mittels Markov-Text-Generator neue Textdokumente erzeugt (http://www.aiplayground.org/artikel/markov/). Der Text-Output wird nun mittels Software (text2speech) in Sprache gewandelt und per Funk an eine stattliche Anzahl kleiner, sprachfähiger Roboter gesendet. Ziellos und unbeholfen bewegen sich diese über eine polierte Plattform und rezitieren ohne Pause die empfangenen Texte.

Der Kampf gegen den Kollaps

Die Antwort der Informatiker auf den Überfluss heißt Datamining. Darunter versteht man das systematische (in der Regel automatisierte oder halbautomatische) Entdecken und Extrahieren unbekannter Informationen aus großen Mengen von Daten.
Am Beispiel von TopicMaps, einer relativ neuen und sehr aktuellen Technologie im XML-Umfeld kann anschaulich gemacht werden, wie moderne Wissensorganisation sich der Herausforderung stellt, Wissensbestände und -strukturen inhaltlich zu erschließen. Gerade an Topic Maps kann gezeigt werden, wie Grundlagen der Wissensorganisation eng zusammenspielen mit der Anwendung von Wissensmanagement und von Verfahren der Wissensrepräsentation und des Wissens- Engineering mit Ontologien aus der Künstlichen Intelligenz.

Die Zusammenarbeit von Künstler und Wissenschaftler formuliert nicht nur einen interessanter Kommentar zum Zustand der Kunst und ihren Zugriffsmöglichkeiten auf Wissenschaft und Technik. Sie macht auch auf den Kern des Problems deutlich. Denn wie weit kann Kunst gehen, wenn sie sich mit Wissenschaft beschäftigt? Wie weit soll sie wirklich verstehen, was die Wissenschaftler bewegt? Wie eigenständig wird sie sein, wenn sie das wissenschaftliche Problem, mit dem sie sich befasst, nicht nur popularisiert?

Das Projekt ist die Konkurrenz zweier Sprachen bei der Vermittlung von Komplexität. Die eine Sprache ist die Wissenschaft. Die andere ist die Sprache der Kunst, die Wissenschaft verstehen muss, aber nicht Wissenschaft werden will.